Kind und Hund - nicht automatisch ein Traumteam!
Kinderfreundliche Hunderassen gibt es nicht! JEDER Hund kann Kinder mögen oder ablehnen - abhängig von seiner individuellen Persönlichkeit und den bisherigen Erfahrungen mit Kindern.
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Die Haltung eines Hundes erfordert zweifellos besonders viel Verantwortungsbewußtsein, Zeit, Beschäftigung und Fachwissen.
Daher ist es generell verkehrt und auch gefährlich, einen Hund vorrangig als Spielkamerad für das Kind anzuschaffen - gleichgültig welcher Größe und Rasse.
Auch ein bereits älteres Kind von etwa 10 Jahren muß erst allmählich lernen, was es bedeutet, Verantwortung für ein Lebewesen zu tragen und wäre mit all den unterschiedlichen Verpflichtungen einer artgerechten Hundehaltung vollkommen überfordert. Hier müssen sich die Eltern zuerst einmal selbst ausführlich mit dem Thema "Hundehaltung" auseinandersetzen.
Buchtipp: "Wenn Kind und Hund.. was Eltern wissen sollten - was Kinder wissen müssen!" von Claudia Fischer/Bettina Schönfelder, Cadmos Verlag - ein pädagogischer Ratgeber, der kindliches Denken ebenso berücksichtigt wie Hundeverhalten und -erziehung.
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Anhand von Fachbüchern und aufklärenden Gesprächen mit Experten sollten sie sich sehr genau informieren und dann selbstkritisch prüfen, ob sie die vielen Voraussetzungen für eine artgerechte Hundehaltung und eine konsequente Erziehung im allgemeinen sowie für die jeweils gewünschte Rasse im speziellen überhaupt erfüllen können und wollen.
Bei der Auswahl der Rasse sollte nicht (wie leider meistens) das Aussehen oder der bettelnde Blick des Kindes entscheidend sein, sondern die rassespezifischen Eigenschaften und das individuelle Wesen des Hundes. Denn wenn die Persönlichkeit und Bedürfnisse des Hundes nicht mit dem Persönlichkeitsprofil und den Möglichkeiten und Wünschen des künfigen Halters bzw. der Familie harmonieren, dann sind Probleme von Beginn an vorprogrammiert. Nicht selten wird der Hund dann wegen Überforderung oder anderer Probleme ins Tierheim abgeschoben. Und das muß und darf einfach nicht sein!
Besonders warnen möchte ich vor der unüberlegten Anschaffung eines Herdenschutzhundes (z.B. Kangal, Owtscharka, Kuvasz, Maremmano, Do Khyi, Mastin Espanol, Komondor u.a). Denn die Realität zeigt immer wieder, daß kaum jemand diesen wundervollen, imposanten Hunden eine bedürfnisgerechte Haltung bieten und mit dem speziellen, eigenständigen Wesen richtig umgehen kann. Kompetente Infos finden Sie unter www.herdenschutzhundhilfe.de
Auf andere Art schwierig und anspruchsvoll ist die artgemäße Haltung einiger Hütehundrassen, z.B. der beliebte, aber extrem agile und beschäftigungsintensive BorderCollie.
Bei dieser schwerwiegenden Entscheidung für ein neues Familienmitglied kann Ihnen ein Tierpsychologe beratend zur Seite stehen. Denn über eines sollten sich zukünftige Hundehalter absolut im klaren sein:
Mit einem Hund verändert sich fast das ganze bisherige Leben!
Wenn sich Eltern nach sorgfältiger Beratung und Vorbereitung letztendlich für die Anschaffung eines Hundes entschieden haben, dann müssen sie sich natürlich um die Erziehung des Tieres und die Aufklärung des Kindes kümmern - und zwar nicht notgedrungen, sondern von Herzen gerne!
Kinder müssen erfahren, daß der ersehnte Spielkamerad zwar ein toller Freund sein kann, aber auch Bedürfnisse hat und gewisse Freiheiten braucht, die unbedingt zu respektieren sind - z.B. das Ruhebedürfnis nach dem Fressen.
Kinder müssen so früh wie möglich lernen, daß ein fremder Hund niemals ohne ausdrückliche Zustimmung des Halters angefasst werden darf und auch zum eigenen Hund in bestimmten Situationen ein Abstand gehalten werden muß.
Auch die Bedeutung und den richtigen Umgang mit den körpersprachlichen Signalen des Hundes müssen Kinder lernen - und dies ist nur möglich durch gut informierte Eltern.
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Ich höre allerdings immer wieder, daß Eltern geradezu entsetzt und panisch reagieren, wenn ihr Hund das Kind z.B. mal anknurrt. Häufig kommt dann sofort der Gedanke auf, daß der Hund aufgrund dieser angeblichen Bösartigkeit weggeben werden muß.
Dabei ist ein Knurren lediglich ein völlig legitimes Drohsignal mit der Botschaft: "Laß mich in Ruhe!" oder "Finger weg von meinem Spielzeug!"
Ein Hund hat nicht die Möglichkeit, seine momentanen Gefühle in menschlichen Worten auszudrücken. Er kann dies nur artgemäß in seiner eigenen Sprache tun. Daher ist es die Aufgabe jeden Hundehalters, die Sprache seines Hundes zu erlernen und dieses Wissen auch seinen Kindern zu vermitteln.
Nur wer seinen Hund versteht und mit ihm ohne Mißverständnisse kommunizieren kann, hat die Chance auf ein harmonisches Zusammenleben.
Dieses Bewußtsein kann ein Kind nicht allein entwickeln. Es benötigt dafür die zuverlässige Unterstützung und Anleitung seiner Eltern, die dem Kind den respektvollen, artgerechten Umgang mit dem Tier tagtäglich vorleben müssen.
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Da Kinder und Hunde oftmals sehr ungestüm und unberechenbar reagieren, beachten Sie als Eltern bitte stets eine der wichtigsten Grundregeln - ganz egal, wie lieb und wohlerzogen Ihr Hund ist:
Kind und Hund niemals unbeaufsichtigt allein lassen!
Auch aus einer entspannten Spielsituation kann innerhalb von Sekunden plötzlich Ernst werden - z.B. wenn ein Kind hinfällt oder vor dem Hund wegrennt...oder wenn das Kind das Distanz-/Ruhebedürfnis des Hundes anhand seiner Körpersprache nicht erkennt und die entsprechenden Abwehrdrohungen des Hundes (mit Blick fixieren, Knurren, in die Luft Schnappen) einfach mißachtet...oder wenn sich das Kind am Hundespielzeug, Freßnapf etc. vergreift - was aus Sicht des Hundes eine absolut unrechtmäßige Frechheit darstellt.
Denn solange das Kind geistig nicht reif genug sind, eine eigene individuelle Beziehung zum Hund im Sinne einer Führungsrolle aufzubauen und zu leben, wird sich der Hund vom Kind nichts sagen lassen und seine Rechte und Ressourcen verteidigen.
Umso wichtiger ist es, daß der Hund die Eltern und sonstigen Erwachsenen in der Familie auch wirklich 100%ig als souveräne Führungspersönlichkeiten anerkennt! Denn nur unter dieser Voraussetzung können sie das Verhalten des Hundes kontrollieren und beeinflussen, welches er gegenüber dem Kind zeigt - jedenfalls, solange dieser Erwachsene anwesend ist!
Sobald sich der Hund mit dem Kind alleine im Zimmer oder Garten aufhält, betrachtet er dieses nämlich als welpenähnliches Gruppenmitglied! - das man ggfs. natürlich auch maßregeln darf und sogar muß!